Eisschwimmen

Von Anne Jethon,LZ:
Vier Grad kaltes Wasser und Schneeregen - unter diesen Bedingungen geht Michael Jeschke mit anderen Sportbegeisterten regelmäßig schwimmen. Der Adrenalinkick gefällt dem 55-Jährigen. Und auch das eine oder andere Wehwehchen ist nach dem Sprung in die eisigen Fluten wie weggeblasen.

Grauer Himmel, pfeifender Wind und zwei Männer, die bei eiskalten Temperaturen fast nur in Schwimmhose zum Wasser schreiten. Die beiden Schwimmkappen, die der Wasserburger Michael Jeschke und Thomas Röhl aus Bodolz übereinander anziehen, müssen sitzen. Genauso die Schwimmbrille, die bei jedem Eisschwimmen dabei ist. Nur so können sie den Kopf vor Kälte schützen - die Neopren-Badehose hält wenigstens den Po warm - zumindest ein bisschen. Der Rest des Körpers ist der eisigen Temperatur im Wasser ausgesetzt. Die beiden Männer schreiten ins Wasser, machen sich Stück für Stück bereit, um letztendlich ins kalte Nass zu gleiten. Trotz Wind und Wellen fangen die beiden an zu kraulen. Sie schwimmen direkt auf die etwa hundert Meter entfernte Boje zu.

„Jetzt in der letzten Zeit wird es wirklich eiskalt. Man sollte da auch seine Grenzen spüren“, sagt Jeschke. Als Schwimmer weiß er - das Wasser fühlt sich im kalten Zustand härter an als normal. Wenn er im Wasser sei, spüre er aber die Kälte erst einmal nicht. „Irgendwann merkt man es in den Fingern, wenn das zu lang geht.“ Beim Eisschwimmen müsse man mit Verstand dabei sein und rechtzeitig zurückschwimmen - auch wenn es einem noch nicht kalt sei. Denn sonst kann der Ausflug schnell lebensgefährlich werden. „Die Rettung im Eiswasser ist sehr schwierig.“ Denn für Außenstehende könnte es schwierig werden, einen Ertrinkenden aus dem kalten Wasser zu holen, ohne sich selbst zu gefährden. Vor allem aber Menschen mit Herz- oder Gefäßproblemem sollten das Eisschwimmen sein lassen.

„Ansonsten ist es am besten, wenn man das wirklich oft macht“, sagt der 55-Jährige. Wichtige Punkte für Jeschke, an denen sich jeder Eisschwimmer orientieren sollte: Niemals alleine schwimmen gehen, und den Körper langsam an die Temperaturen gewöhnen. Das bedeutet, dass man im Idealfall schon im Herbst mit dem Schwimmen beginnen sollte. „Dann kann man seine Grenzen auch besser einschätzen“, sagt Jeschke. Am Anfang könne man erst einmal nur mit den nackten Füßen im Wasser wandern und die Arme ins Wasser halten.

Wenn die Temperaturen sinken, passt auch Jeschke seine Strecken an. „Momentan werde ich sportlich nicht so viele Meter schwimmen, dass ich da einen Muskelkater bekomme.“ Bei den niedrigen Temperaturen gehe es darum, eine ruhige Atmung zu haben und sich langsam aufs Schwimmen vorzubereiten. Außerdem mache es keinen Sinn, beim Eisschwimmen auf Schnelligkeit zu gehen. Denn der Körper kühle auch schneller aus, wenn man sich bewege. Das sei auch bei Unfällen im Wasser wichtig zu beachten. Zum Beispiel, wenn ein Mensch bei niedrigen Temperaturen aus dem Boot fällt. Trotzdem kenne er einen Schwimmerkollegen, der trotz der tiefen Temperaturen noch die Tausend-Meter-Marke knackt. „Das ist dann aber schon verrückt. Das muss man mögen.“

Wichtig sei es vor allem, nach dem Schwimmen nicht direkt heiß zu duschen. „Wir haben die Erfahrung, dass das kurzzeitig nichts bringt“, sagt Jeschkes Schwimmkollege Thomas Röhl. Viel eher solle man sich durch Übungen langsam aufwärmen.

Das Eisschwimmen hat überaus positive Effekte auf die beiden Sportler: „Ich habe eigentlich keine Erkältungskrankheiten“, sagt Jeschke. Belegbare Studien, dass Eisschwimmen tatsächlich gegen Erkältungen schützt, gibt es allerdings noch nicht Klar ist aber: Bei einem Sprung ins kalte Wasser setzt der Körper Adrenalin und andere Stresshormone frei. „Also, man fühlt sich da schon ein bisschen toll“, räumt Jeschke ein und lacht. Mindestens zwei Stunden profitiere er noch von dem Sprung ins kalte Wasser. „Ich kann dann richtig anpacken und bin sehr bewegungsfreudig. Mit dem Alter ist das ganz schön.“

Vor allem, wenn die Sonne scheint, muss er sich nach dem Badegang nicht direkt abtrocknen, sagt Jeschke. Auch seine Schulterprobleme könne er mit dem Eisschwimmen lindern. Denn durch das kalte Wasser sei der Körper nach dem Schwimmen sehr gut durchblutet. „Vielleicht ist das der Grund, warum mir das hilft“, vermutet er. Trotzdem ist Jeschke die Sicherheit bei seinem Hobby besonders wichtig: „Man darf es einfach nicht übertreiben.“