Ilgen reist als Titelverteidiger nach Rom

Von Susanne Backmeister; LZ

 

Über 5000 Schwimmerinnen und Schwimmer aus 38 Nationen messen sich nach der Europameisterschaft der Aktiven ab Sonntag in den verschiedenen Disziplinen und Altersgruppen der Masters in Rom. Mit dabei ist auch Fritz Ilgen vom TSV 1850 Lindau. Er tritt in seiner Paradedisziplin Rückenschwimmen in der Altersklasse 85 gleich dreimal an. Am Dienstag auf der Distanz von 50 Metern, am Donnerstag folgen die 200 Meter und einen Tag später stehen die 100 Meter in seinem Terminkalender. In genau diesen Disziplinen holte Ilgen bei der vergangenen EM 2018 in Kranj in Slowenien nicht nur dreimal Gold, sondern verbuchte auch zwei Europarekorde in seiner Altersklasse.

Sein Ziel sei natürlich wieder Edelmetall, sagt Ilgen, hat aber dabei auch ein paar Bedenken: „Ich habe immer noch das Problem, dass ich bei weniger Belastung meine Corona-Erkrankung von Mai merke. Bei 50 Metern spüre ich nichts, aber bei 200 Metern geht es auf die Lunge. Aber vielleicht hängt das einfach nur mit dem Alter zusammen, dass die Kondition runtergegangen ist.“ Dazu kommt aber auch noch ein anderer Faktor. Es ist Ilgens letztes Jahr in der AK 85, denn im November feiert der Steuerberater im Ruhestand seinen 89. Geburtstag und startet somit 2023 in der AK 90. Das bedeutet, dass der Lindauer in Rom überwiegend gegen jüngere Schwimmer antreten wird.

Wilfried Fuchs, Abteilungsleiter der Lindauer Schwimmer, teilt diese Bedenken nicht: „Die sind gut drauf und werden sicher mit einigen Medaillen wieder zurückkommen.“ Denn mit Fritz Ilgen reist auch Alfred Seeger nach Rom. Seeger wird in der AK 80 über 400 Meter Lagen, 200 Meter Schmetterling und 200 Meter Lagen antreten. Beide Lindauer haben schon beim Testlauf in Gera bei der deutschen Meisterschaft Anfang August geglänzt und standen dort in ihren Disziplinen jedes Mal auf dem Treppchen.

Vor allem Ilgen kann auf seine internationale Erfahrung bauen. Seit 1980, dem Gründungsjahr der Mastersschwimmer, ist er dabei. Acht Goldmedaillen waren es bei vier Weltmeisterschaften. Zuletzt drei im südkoreanischen Gwangju 2019. Weitere 15 Goldmedaillen kamen im Laufe der Zeit bei sieben Europameisterschaften dazu. Fünf Europa-Masterrekorde fielen seit 2009. Angefangen bei der EM in Cadiz, gefolgt von Eindhoven 2013 und ein Jahr später bei der WM im kanadischen Montreal und eben gleich drei bei der vergangenen EM in Slowenien.

Die Anzahl der Silbermedaillen zählt Ilgen gar nicht mehr. Und das mit einem ganz eigenen Stil im Rückenschwimmen, den vor vielen Jahren ebenfalls ein Lindauer Schwimmer und ehemaliger Abteilungsleiter, Heinz Zauner, erfunden hatte. Den sogenannten „Stampfstil“. Dabei wird beim Rückenschwimmen das Wasser mit den Beinen weggestampft im Gegensatz zum klassischen Beinschlag. Damit hat der gebürtige Lindauer weltweit ein Alleinstellungsmerkmal. „Ich habe das damals mit meinem Bruder Ossi ausprobiert und wir waren plötzlich fünf Sekunden schneller auf 100 Metern“, erinnert sich Ilgen lachend: „Einer hat mal gesagt, richtig schwimmen sie ja nicht die zwei Ilgens, aber schnell sind sie.“

Nach mehr als zwei Jahren Wettkampfpause durch Corona freut sich der Lindauer Mastersschwimmer auf Rom. „Schwimmen ist meine Leidenschaft. Ohne Schwimmen wäre mein Leben nicht erfüllt“, sagt er. Deshalb hat er auch während Corona sein Training nicht vernachlässigt. Aber er nennt auch noch einen anderen wichtigen Aspekt für seine Leidenschaft: „Ich fühle mich nach dem Training körperlich sehr gut. Aber ich trainiere natürlich nur, wenn ich auch weiß, dass ich einen Wettkampf schwimme. Das hängt zusammen.“ Deshalb ist in seinem Kalender auch schon der nächste Termin für 2023 angedacht - die Weltmeisterschaft der Masters im japanischen Kyushu. Alleine würde er wahrscheinlich nicht reisen, denn es gibt auch noch andere Lindauer Masters, die vielleicht dabei wären. Aber das ist noch Zukunftsmusik: Jetzt liegt erst mal der Fokus auf der EM in Rom.